Wie Meditation und Achtsamkeitstraining bei der Arbeit helfen können

How Mindfulness Training and Meditation Can Benefit the Workplace
Von ihren buddhistischen Wurzeln ist Achtsamkeit zu einer weltweiten Praxis geworden und kann unseren technologisch überforderten modernen Lebensstil positiv beeinflussen.

Was ist Achtsamkeit? Laut Berkeleys Greater Good ist Achtsamkeit „die Aufrechterhaltung eines klaren Bewusstseinszustands im gegenwärtigen Moment für unsere Gedanken, Gefühle, Körperempfindungen und die umgebende Umwelt“. Es ist ein bewusster Ansatz auf Absicht und Akzeptanz, bei dem wir auf uns selbst achten, ohne zu urteilen, oder abzuwägen, was richtig oder falsch ist. Achtsamkeit bedeutet, sich auf den Reichtum der Gegenwart zu konzentrieren, ohne Angst vor der Zukunft zu haben oder die Vergangenheit zu bedauern.

Die Buddhisten waren dafür bekannt, Achtsamkeit in ihrer Meditation anzuwenden. Aber in den 1970er Jahren begann der Westen, diese Philosophie anzunehmen, dank der Arbeit von Jon Kabat-Zinn mit seinem Mindfulness-Based Stress Reduction (MBSR) Programm. Viele medizinische Experten folgten diesem Beispiel. Im Jahr 2002 entwickelten Studenten aus Cambridge und Toronto eine auf Achtsamkeit basierende kognitive Therapie, die speziell auf Menschen ausgerichtet war, die an Depression leiden. Laut klinischer Studien war die Therapie so effektiv wie Antidepressiva und konnte sogar die Rezidivrate um bis zu 50 % reduzieren.

Mehr denn je bringt Achtsamkeit dem heute überforderten Lebensstil eine erfrischende Perspektive. Durch die Technologie werden unsere Sinne oft von vielen Stimulationen bombardiert – klingelnde Telefone, Tweets, E-Mails und andere Ablenkungen, die uns davon abhalten, unser eigenes Raumgefühl zu genießen. Diese Art der Überstimulation führt zu einer Erhöhung der Fälle von Angstzuständen, Konzentrationsstörungen, Schlafstörungen, Depressionen und sogar Immunitätsstörungen.

Wenn wir unsere Gedanken auf Achtsamkeit konzentrieren, reagieren Teile des Gehirns – wie die Amygdala, der präfrontale Kortex, bestimmte Mittellinienstrukturen – so, dass wir uns weniger reaktiv und gestresst fühlen und mitfühlend und geduldig werden.

Die Harvard University ist sogar zu dem Schluss gekommen, dass Achtsamkeit sogar die Struktur des Gehirns in einem positiven Licht verändern kann. Die Neurowissenschaftlerin Sara Lazar begann während ihrer Doktorarbeit in Molekularbiologie mit dieser Forschung. Sie verglich Gehirnscans von Menschen, die Achtsamkeit praktizierten und entdeckte, dass Meditierende mehr graue Substanz in ihrem frontalen Kortex hatten, was das Gedächtnis und die Entscheidungsfindung beeinflusst. Die menschliche Hirnrinde schrumpft mit dem Alter – aber in diesem Fall haben sogar 50-Jährige die gleiche graue Substanz wie 25-Jährige, wenn sie Achtsamkeit üben.

Wie dies den Arbeitsplatz beeinflussen könnte

Fortune 500 Unternehmen, darunter die Technologie-Riesen Google und Apple, hatten das sogenannte Achtsamkeitstraining eingeführt, um Gesundheit und Konzentration am Arbeitsplatz zu fördern. Laut IBISWorld macht Achtsamkeitstraining mehr als 7 % der 15 Milliarden US-Dollar in der alternativen Pflegebranche in den USA aus, und die Zahlen werden in den kommenden Jahren voraussichtlich steigen.

Towers Watson analysierte die Kapitalrendite verschiedener Unternehmen und kam mit überraschenden Ergebnissen zurück: Unternehmen mit effektiven Gesundheits- und Wellnessprogrammen haben nachweislich einen finanziellen Vorteil. Laut dem Bericht haben Unternehmen, die Achtsamkeit beachten, 11 % mehr Umsatz pro Mitarbeiter, 1,8 weniger Abwesenheitstage und 28 % höhere Aktionärsrendite.

David Gelles berichtet in seinem Buch Mindful Work, wie Achtsamkeit auch die Gesundheitskosten senkt, insbesondere mit dem Versicherungsriesen Aetna. Laut Gelles geben Unternehmen für einen gestressten Mitarbeiter zusätzliche 2.000 US-Dollar für das Gesundheitswesen aus. In Aetna, wo die Gesundheitspflege insgesamt mehr als 90 Millionen US-Dollar jährlich kostet, reduzierten Achtsamkeitsprogramme die Kosten um 7 %. Nach den Berechnungen der Aetna betrug ihre Produktivitätssteigerung etwa 3.000 US-Dollar pro Mitarbeiter. Dies entspricht einem Kapitalrendit von 11 : 1.

Ein gesunder Mitarbeiter ist ein produktiver Mitarbeiter. Unternehmen investieren jetzt in das Wohlbefinden ihrer Mitarbeiter, wodurch ein größerer Hebel für das Geschäft freigesetzt wird. Zum einen haben meditative Mitarbeiter eine höhere Belastbarkeit gegenüber Stress. Achtsamkeit erhöht auch die kognitive Flexibilität und führt somit zu einer besseren Kreativität. Gewissenhaftes Bewusstsein verringert das Risiko von Stress, Burnout und körperlichem Schmerz und erhöht gleichzeitig die Fähigkeiten in Führung, Gedächtnis und Selbstwertgefühl. Menschen, die achtsam sind, haben eine größere Chance, gute Leiter zu werden.

Achtsamkeit bei der Arbeit praktizieren

Genau wie jede andere Fähigkeit, erfordert die Entwicklung von Achtsamkeit Zeit und Mühe. Umso besser, wenn es bei der Arbeit gefördert wird. Trainingsgruppen wie WorkplaceMT und MindWork bieten Achtsamkeit-Workshops für Organisationen an, die das Verhaltenswissen ihrer Mitarbeiter verbessern möchten. Einige bieten auch Einrichtungen für Fitness, Meditation und Schlaf. Selbst kleine Dinge, wie zum Beispiel ein Gefühl der Dankbarkeit am Arbeitsplatz, können die Achtsamkeit drastisch verbessern.

Da das Büro voller Ablenkungen sein kann, sind hier einige Tipps, die Dir helfen können, dieses meditative Bewusstsein zu praktizieren:

Kein Multitasking. Ein herausragendes Merkmal der Achtsamkeit ist Gelassenheit. Anstatt zu versuchen, viele Dinge gleichzeitig zu jonglieren, konzentriere Dich auf eine Aufgabe, bevor Du zur nächsten übergehst. Dies fördert Geduld und Konzentration. Wie geht das? Um Ablenkungen zu vermeiden, deaktiviere Benachrichtigungen von Deinen Geräten, die sonst Deine Aufmerksamkeit nehmen würden.

Übe das richtige Atmen. Wenn Du Dir Deines Körpers bewusst bist – wie er sich anfühlt und wie er sich bewegt – bringst Du in Dein Inneres ein Gefühl von Frieden zurück. Du erkennst Deinen Raum, die Anzahl Deiner Atemzüge und wie Du sie nimmst. Wenn Du mit Angst oder Stress überwältigt bist, sitze still und atme tief. Verwende diese Methode, um Dich selbst zurückzusetzen, bevor Du die Aufgabe erneut startest.

Lade eine Meditation App herunter. Insight Timer, Heimat von mehr als 4 Millionen Meditierenden, ist eine kostenlose App, die Dir mit Zugang zu geführten Meditationen hilft, Dich wieder mit Deinem inneren Bewusstsein zu verbinden.

Halte zwischen Aktionen inne. Dringende Dinge wie ein klingelndes Telefon oder ein hupendes Auto lösen einen plötzlichen Ruck aus, der Stress stimuliert. Aber für Dinge, die Zeit brauchen – wie zum Beispiel ins Büro gehen oder einfach eine Tür öffnen – kann ein kurzes Pausieren zwischen den Aktionen den Kopf frei machen und der Aufgabe, die vor uns liegt, Auftrieb geben.

Höre auf Dein Gehirn und nimm Dir Zeit zum Beobachten. Hast Du negative Gedanken? Selbstabwertende Gedanken? Ängstliche Gedanken? Denk daran, dass das nicht Du bist. Widerstehe der Versuchung, von diesen Gefühlen in Verlegenheit gebracht zu werden. Akzeptiere, was passiert ist und lass es hinter Dir.

Fördert Dein Unternehmen Achtsamkeitstraining? Wenn nicht, wie sollte es Deiner Meinung nach umgesetzt werden?

Jonas Diezun

Jonas ist Gründer von RADICE. Selbst begeisterter Leser liebt er es, im Münchner Umland in den Bergen wandern zu gehen. Jonas schreibt über Schlaf, Produktivität, Arbeit und die Wissenschaft dahinter. Er hat in New York und München studiert und in diversen Startups gearbeitet. Sein bester Tipp rund um Schlaf? Einen festen Rhythmus haben und Schlaf und Erholung als wichtige Säule der eigenen Gesundheit sehen. Es ist die Grundlage für unser Wohlbefinden.
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